Was bringt mir dieser Newsletter? Gute Frage!

30. Juli 2026

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30. Juli 2026
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Reporterfabrik
07.08.2026
Die News des Tages: Schreiben muss keine Qual sein!

Cordt Schnibben 

Leiter Reporterfabrik

Guten Morgen aus Hamburg!

Ich habe heute kein Foto für euch, aber vier überwältigende Nachrichten. Der neue Workshop, den ich gleich unten vorstelle, ist der 200., ja, der zweihundertste Workshop, den wir seit unserem Start im 2017 online stellen. Die inzwischen über 130.000, ja, einhundertdreißigtausend Einschreibungen in diese Kurse zeigen, dass ihr mit den Videos was anfangen könnt. Darum ein kleiner Wettbewerb zum Jubiläum: Wer ist der König der Reporterfabrik, wer hat die meisten Kurse belegt (oder glaubt das)? Schreibt uns (reporterfabrik@correctiv.org), die ersten Drei bekommen einen Roman, damit sie mal was anderes konsumieren als großartige Lernvideos.

Wie sollst du in der Masse der Workshops noch durchblicken, die Kurse finden, die dich wirklich interessieren? Haben wir uns gefragt und uns und dir eine neue Website geschenkt, mit einer sehr differenzierten Suchfunktion.
Die dritte Nachricht: der neue Workshop von Anna Mayr (ja, der zweihundertste) steht prototypisch für das, was wir seit neun Jahren predigen: Schreiben ist ein Vergnügen, Schreiben ist der rote Faden des Lebens! Die Zeit-Reporterin Anna Mayr zeigt an Beispielen, warum schreiben keine Qual sein muss (vierte gute Nachricht).
Warum quälen sich so viele Journalistinnen und Journalisten beim Schreiben? Merkwürdige Frage? Trotzdem sitzen viele vor dem leeren Dokument, hassen den ersten Satz, verwerfen den zweiten und landen irgendwann bei einem Einstieg, der klingt, als habe jemand im Redaktionsseminar „Ich hab’s“ gerufen.
Anna Mayr sieht das Problem weniger im Schreiben selbst. Sie meint: Zu viele Regeln, Erwartungen und Konventionen machen es schwerer, als es sein müsste. In ihrem Online-Workshop „Don’t cry, work! Warum Schreiben keine Qual sein muss“ zeigt sie, wie man die passende Form für das eigene Material findet und sich von falschem Ehrgeiz befreit.

Ausgangspunkt ist ihre Beobachtung: Journalistinnen und Journalisten versuchen oft zwanghaft, große Erzähler zu sein, und rufen gleich mit dem ersten Absatz nach der Literaturagentin, die ihnen einen Buchvertrag anbieten soll. Sehr beliebt der üppig gemalte szenische Einstieg; er kann funktionieren, wenn das Material Atmosphäre und Drama bietet. Oft aber steht am Anfang bloß eine Wohnung, ein Licht, eine Tasse Tee, ein Blick aus dem Fenster; danach beginnt der Text endlich.

Mayr zeigt das an eigenen Beispielen. Auf der Journalistenschule pitchte sie eine Geschichte über eine junge Frau, die Promi-Bilder aus Bügelperlen herstellt. Der Dozent fragte nach dem großen Handlungsstrang. Mayr versuchte, wie sie heute sagt, „das gesamte Leben dieser armen jungen Frau in diese Struktur zu quetschen“. Es funktionierte nicht. Der bessere Text hätte die Frau nicht durch eine künstliche Dramaturgie treiben müssen, er hätte sie verstehen müssen.
Auch typisch: Der Text beginnt szenisch am Wohnort der Protagonistin, nur passiert dort eigentlich nichts. Die besseren Einstiege liegen später: Absätze, die sofort klarmachten, wer diese Frau ist, was an ihr irritiert und warum man weiterlesen sollte. Der Workshop fragt deshalb: Welchen Anfang, welche Form braucht ein Stoff wirklich? Mayr schlägt einen einfachen Test vor: Wie würdest du deiner Mutter am Telefon von der Geschichte erzählen? Wahrscheinlich nicht mit einer kunstvoll ausgeleuchteten Anfangsszene. Wahrscheinlich würdest du direkt sagen, worum es geht, warum es interessant ist und warum du nicht aufhörst, darüber nachzudenken.

Leserinnen und Leser funktionieren nicht wie ein Kinopublikum. In einem guten Text muss der Kopf die Bilder selbst bauen. Wenn in zwanzig Sekunden Lesezeit sieben Perspektiven aufpoppen, überfordert man ihn. Anna Mayr sagt: Die Qual beim Schreiben entsteht, weil man zu viel nachdenkt: über Möglichkeiten, über die eigene Wirkung. Wie hört man damit auf? Entscheide dich für den Spaß. Vertrau deinem Material. Wenn dir selbst langweilig wird beim schreiben, ist dein Text langweilig.

Anna Mayr plädiert für weniger Regelgläubigkeit und mehr Intuition. Schreiben heißt entscheiden: Was trägt? Was kann weg? Was will ich wirklich erzählen? Wenn ein Fakt oder eine Szene sich nur mühsam unterbringen lässt, darf sie raus. Wenn dir selbst langweilig wird, ist es wahrscheinlich langweilig. Eine Erkenntnis, vor der ganze Redaktionen erstaunlich lange fliehen.

Hilfreich ist ein konkreter Adressat. Manchmal lässt sich ein Text leichter schreiben, wenn man ihn wie einen Brief an eine bestimmte Person denkt. Und Mayr liest vor dem Schreiben eigene Texte: um sich daran zu erinnern, dass sie schreiben kann, und um ihren eigenen Ton wiederzufinden.
Oder schau in einen unserer Workshops von Britta Stuff, Heike Faller, Ariel Hauptmeier, Henning Sußebach und von einem /einer der anderen über 350 Referentinnen und Referenten. Ja, sie sind jetzt schnell zu finden, schau es dir an auf reporterfabrik.org!

Viel Spaß beim Finden
Euer Cordt Schnibben

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Was ist die richtige Lernstufe für mich?

Die Lernstufen in der Reporterfabrik dienen vor allem der Orientierung. Du darfst in allen Lernstufen Kurse belegen, egal wie viel Vorerfahrung du hast. Hier eine kleine Orientierung:

Stufe 1: Du möchtest journalistische Arbeit verstehen, Grundlagen kennenlernen

Stufe 2:  Du möchtest journalistisches Handwerk erlernen, Grundlagen vertiefen

Stufe 3: Du kennst die Grundlagen bereits, möchtest ein bestimmtes Thema gezielt vertiefen.

Stufe 4: Du möchtest dir für einen bestimmten Bereich oder eine Tätigkeit Expertenwissen aneignen.