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28. Juli 2026Die drei schnellsten Wege, ein Gespräch zu ruinieren

Cordt Schnibben
Leiter Reporterfabrik
Guten Morgen aus Hamburg,
heute möchte ich besonders nachdrücklich werben für den neuen Workshop, der ab sofort online ist. In ihm geht es darum, wie man als Interviewer oder Interviewter ein Gespräch ruiniert. Und der, der jede Menge Tipps dafür gibt, wie man dieses Desaster vermeidet, ist ein Meister darin, nie zu langweilen, immer zu polarisieren, ist der Erfinder der neuen deutschen Buch-Lesung, die darauf verzichtet, Fragen der Zuhörer zuzulassen, ist der Erfinder von Gesprächsbüchern, die kein Thema haben und deshalb viel mitteilen. Obendrein Erfinder der Rock 'n' Roll-Lesung: lesen da, wo sonst nur gesungen, getanzt und gesoffen wird, also nicht in Buchhandlungen und Literaturhäusern, lesen so, dass keiner einschlafen kann.
Den Workshop, den ich empfehle, begann Benjamin von Stuckrad-Barre mit der Ankündigung: „Workshop? Hier wird nicht geworkt und schon gar nicht geshoppt!“ Mittendrin im Gespräch darüber, wie man Gespräche führt, entdeckte er, dass die Autorin eines Textes, den er kürzlich gelesen und gefeiert hatte, unter den Zuhörern saß – natürlich holte er sie nach vorn und aus ihr heraus, wie der Text entstanden war.
Wenn man ihn googelt, poppen sofort vier Fragen auf: Welche Krankheit hat Benjamin von Stuckrad-Barre? Hat Benjamin von Stuckrad-Barre ADHS? Hat Benjamin von Stuckrad-Barre Kinder? In welchem Hotel wohnt Benjamin von Stuckrad-Barre? Die Antworten auf diese Fragen sind also das, was die Mehrheit von euch über ihn wissen will?
Darum ergänze ich mal, was ihr wissen solltet: Seit 1993 ist Stuckrad-Barre schriftstellerisch tätig. Redakteur beim deutschen Rolling Stone, Produktmanager beim Plattenlabel Motor Music , Gagautor der Harald Schmidt Show, freier Mitarbeiter für FAZ, Die Woche und Stern.
Bekannt wurde er mit seinem 1998 erschienenen Debütroman Soloalbum sowie dem 2003 entstandenen gleichnamigen Film. Ab Januar 2008 schrieb Stuckrad-Barre für Die Welt, Welt am Sonntag sowie die Berliner Zeitung. 2010 bis 2013 moderierte er die politische Unterhaltungssendung Stuckrad Late Night. Weitere Romane: Panikherz, Noch wach?; Reportagebücher: Deutsches Theater, Auch Deutsche unter den Opfern. Das Cover dieses Buches zeigt einen kleinen Jungen an einem Tisch (eine Installation von Martin Honert), einen kleinen Kerl, vielleicht fünf Jahre alt, dessen Füße nicht auf den Boden reichen, der seine Betrachter einsam, ratlos und weise anschaut. Das Foto zeigt das, was Stuckrad-Barre – nicht unbeschadet durchs halbe Leben gekommen, von manchem als Poser verkannt – über sich selbst weiß: „Am Ende sitzt man immer allein auf einem zu hohen Stuhl an einem zu großen Tisch.“
Darum schaut rein in diesen Workshop, der kein Workshop ist, sondern ein saulustiges Gespräch zwischen Spiegel-CvD Jens Radü und dem groß gewordenen Jungen über allerlei Blödsinn und ein paar ans Herz gehende Weisheiten.


